Es braucht eine Textil-Recycling-Verordnung
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Die Schweiz hat es versäumt, allgemeingültige Grundlagen für Branchenorganisationen zu schaffen, weshalb es nötig wird, eine Textil-Recycling-Verordnung zu erlassen. Nationalrätin Regine Sauter hat eine entsprechende Motion im Nationalrat eingereicht.

Simone Alabor
Branchenorganisationen sind der blinde Fleck der Schweizer Kreislaufwirtschaft. Gerne werden einzelne Produktebeispiele oder Leuchtturmprojekte hervorgehoben. Zentrale Themen, wie die Rolle und Organisation von Branchenlösungen hingegen, wurden nicht geklärt. Der Fall der Textilbranche zeigt das beispielhaft.
Textilbranche: Das heutige System ist angezählt
Sammler werden die gesammelten Textilien nicht mehr los und kündigen Verträge für Sammelcontainer. Erste Gemeinden haben keine Lösungen mehr und laufen in Gefahr, auf den Textilien sitzen zu bleiben. In anderen Fällen übernehmen die Gemeinden die Kosten und finanzieren die Sammlung aus den Grundgebühren, also mittels Steuergelder. Die EU hat schon früh verstanden, dass das heutige System ein Ablaufdatum hat. Ab Frühling 2028 werden in allen EU-Mitgliedstaaten Branchenorganisationen das Zepter übernehmen. Auch in der Schweiz zeichnet sich ein Systemwechsel ab. Ob das so schlimm ist, sei dahingestellt. Richtig zufrieden mit der heutigen Lösung war niemand.
Chance freiwillige Branchenlösung
Der anstehende Systemwechsel ist die Chance, etwas Neues aufzubauen. Wir planen ein System aufzubauen, das Reuse, Repair und Recycling fördert. Nicht nur für Bekleidung, sondern auch für Heimtextilien und Arbeitskleidung. Wir werden Sammelstellen in Gehdistanz erhalten und weiter aufbauen. Langfristig konsistente Marketing- und Sensibilisierungsmassnahmen werden unterstützend wirken, um die Sammelmenge zu erhöhen und die Qualität hochzuhalten. Wir werden Investitionen in Sortier- und Recyclinganlagen ermöglichen und konsequent die Wege der gesammelten Textilien monitoren. Die Beziehungen zu unseren Partnern (Recyclinghöfe, Logistiker, Sortierer, Recycler, Reuse-Händler) werden wir vertrauensvoll und langfristig gestalten. All dies wird möglich, dank einer freiwilligen Branchenorganisation, die das System konsequent nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft ausrichtet. Sie wird das Schweizer Material poolen und die Logistik und Sortierung effizient koordinieren. Finanziert wird sie mittels einem vorgezogenen Kreislaufbeitrag, der auf sämtliche Textilien erhoben wird, die auf den Schweizer Markt gebracht werden. Diese Finanzierung ist fairer als die Finanzierung des Systems über Steuergelder, wie es momentan zunehmend der Fall ist. So bezahlen nämlichen diejenigen mehr Beiträge, die auch mehr Textilien konsumieren.
Wir alle werden ein Teil von diesem neuen System werden – begonnen bei der Primarschülerin bis hin zum Rocker-Wirt in der Dorfkneipe und der Bankerin am Paradeplatz. Wir werden sammeln, es wird in der Schweiz sortiert und ein Teil davon auch wieder gekauft werden. Der Weg dahin ist aber nicht ohne Hürden, denn es fehlen gute Regeln.
Freiwillige Branchenorganisationen: Es fehlen gute Regeln
Branchenorganisationen werden oft als Selbstverständlichkeit angesehen. PET-Sammelstellen an Bahnhöfen oder die Rückgabe von Elektrogeräten im Handel oder auf dem Öki-Hof sind heute Alltag.
Doch die Entstehung neuer Branchenorganisationen ist nicht geregelt. Die Revision des Umweltschutzgesetzes, welche die Kreislaufwirtschaft in der Schweiz voranbringen sollte, ist eine verpasste Chance. Eine Branchenorganisation im Aufbau, wie dies Fabric Loop ist, kann von dieser Seite her keine Hilfe erwarten, ausländische Hersteller und Online-Plattformen zur Mitfinanzierung der kostenintensiven Aufbauphase zu zwingen. Es bleibt daher der Bedarf nach zielgerichteter cleverer und zurückhaltender Regulierung.
Es braucht eine Textil-Recycling Verordnung
Solange einheitliche Rahmenbedingungen zur Stärkung von Branchenorganisationen fehlen, muss die Textilbranche den Weg über eine spezifische Verordnung wählen – ähnlich wie bei PET-Getränkeflaschen oder Elektroschrott. Dank dem USG, Art. 41a gibt es die Möglichkeit für den Bund, freiwillige Branchenorganisationen zu unterstützten. Es können somit in der Verordnung Ziele wie beispielsweise eine Weiterverwendung- und stoffliche Verwertungsquote von 60% festgelegt werden. Dabei sollte es der Branche überlassen werden, wie sie diese Ziele erreicht. Wichtig ist es, gleich lange Spiesse für alle Marktteilnehmer zu schaffen. Auch ausländische Inverkehrbringer und Online-Plattformen müssen den Nachweis erbringen, diese Ziele zu erfüllen. Nationalrätin Regine Sauter hat eine entsprechende Motion im Nationalrat eingereicht. Fabric Loop unterstützt diese Motion und wird sich dafür einsetzen, ihr zum Erfolg zu verhelfen.


