Fabric Loop veröffentlicht ambitionierte Ziele für 2035
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Die an Fabric Loop beteiligten Unternehmen haben gemeinsam die Ziele für eine textile Kreislaufwirtschaft festgelegt. Bei der Umsetzung der Branchenlösung wird Transparenz im Zentrum stehen und ein Wandel von einem Reuse-Handel zu einem Kreislaufsystem stattfinden.

Die Mitglieder von Fabric Loop haben Ziele mit weiterreichenden Konsequenzen für die Schweizer Textilsammlung und -verwertung verabschiedet. «Wir wissen heute nicht, wo unsere Textilien landen[1]. Das ist ein Problem, denn «you manage what you measure», so Simone Alabor, Geschäftsführerin von Fabric Loop. Die Branchenlösung, die vom Branchenverband Swiss Textiles und Unternehmen aus der Textilbranche gegründet wurde, möchte mit den neuen Zielen den Anfang eines Systemwechsels einläuten. So setzen sie sich für eine zukünftige Branchenlösung Ziele, die zu konsequenter Transparenz über Stoff- und Finanzflüsse und einen stärkeren Fokus auf die Stoffkreislaufschliessung nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft führen. Das bedeutet, dass nicht nur wie heute üblich für den Handel mit Reuse gesammelt werden soll, sondern beispielsweise auch das Recycling weiterentwickelt werden muss.
Das heutige System hat ein Ablaufdatum
Das heutige System, das nur auf Bekleidungstextilien ausgerichtet ist, steckt in der Krise. Sammler werden die gesammelten Textilien nicht mehr los und ersten Gemeinden wurden Sammelcontainer gekündigt[2]. Diese Veränderung ist nicht auf die Schweiz beschränkt, sondern ist das Ergebnis von Veränderungen im globalen Altkleiderverwertungssystem. Ab Frühling 2028 werden in allen Mitgliedstaaten der EU neue Branchenorganisationen operativ tätig sein. Diese werden von den Inverkehrbringern von Textilien finanziert, also von allen Unternehmen, welche in der EU Textilien auf dem Markt bringen. Zudem werden neue Regeln im Zusammenhang mit dem Export von Textilien diskutiert und die Vernichtung unverkaufter Waren wurde verboten. Die Schweiz ist keine Insel. Ein Blick über die Grenze, nach Deutschland zeigt, worauf wir hinsteuern: in Deutschland gibt es ganze Gegenden, die keine Sammelcontainer mehr haben und erste Sammelunternehmen haben Insolvenz angemeldet[3].
Die Ziele 2035 von Fabric Loop verlangen eine Abkehr vom heutigen System
Der Zeitpunkt ist reif für einen Systemwechsel. Es bietet sich die Chance, dieses neue System so aufzubauen, dass es ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll und langfristig funktioniert.
Die Ziele[4] , welche sich die Branche nun gesetzt hat, geben die Stossrichtung dieses neuen Systems vor:
Ziel 1: 100% Sortierung in der Schweiz
Die Sortierung ist der Schlüssel. Denn hier wird aus einem Abfall ein Wertstoff. Mit der Sortierung in der Schweiz kann Fabric Loop die Wege kurz halten und die Transparenz erhöhen. Dank der Nähe und der Sortierung hier vor Ort soll es zudem möglich werden, den lokalen Reuse-Anteil erheblich zu erhöhen von heute ca. 1% der Sammelmenge bis zu 10-15% 2035.
Ziel 2: 60% Reuse und Recycling, mit Anteil von 30% Reuse, 20% Recycling und 10% Open-Loop Recycling
Mit dem zweiten Ziel soll sichergestellt werden, dass die stoffliche Verwertung nach den Prinzipien der Kreislaufwirtschaft im Fokus steht. Zuerst soll nach Reuse und anschliessend nach Recycling sortiert werden. Dabei ist es wichtig, dass auch das Fibre-to-Fibre-Recycling gefördert wird. Diese Technologien sind heute in Entwicklung und für die Skalierung auf verlässliche Branchenorganisationen angewiesen.
Die Ziele sind ambitioniert. Denn anders als bei heutig kommunizierten Quoten üblich, verlangt Fabric Loop konsequente Transparenz über die Destination der Textilien.
Ziel 3: 0% Landfill
Der Fokus auf Transparenz zeigt sich im dritten Ziel. Es reicht nicht aus, zu wissen, wo die Textilien nach der Sortierung landen. Sondern es wird zentral werden, dass Fabric Loop die Wege weiterverfolgen kann. Von Sortierern zu Zwischenhändlern bis zum Abnehmer. Die Forderung nach 0% Landfill ist äusserst hochgesteckt. Es darf davon ausgegangen werden, dass in der Praxis Schwierigkeiten bei der Umsetzung aufkommen werden. Dennoch sieht Fabric Loop dieses Ziel als sehr wichtig an, denn es wird intern wie auch extern zu einer wichtigen Guideline für die tägliche Arbeit werden.
Ziel 4: 1x jährlich ein Report über Finanz- und Stoffflüsse
Es ist Fabric Loop ein Anliegen, dass die Öffentlichkeit transparent über die Finanz- und Stoffflüsse informiert wird. Es soll in diesem Report auch aufgezeigt werden, falls bei einem der obigen Ziele eine Hürde oder Schwierigkeit auftaucht und wie damit umgegangen wird.
«Wir setzen uns lieber ambitionierte Ziele und erreichen nur 80% davon, als dass wir unsere Ambitionen herunterschrauben.»
Die verabschiedeten Ziele sind ehrgeizig und die Praxis wird zeigen, wo Stolpersteine liegen, die ausserhalb des Einflusses von Fabric Loop liegen. . «Wir sind uns bewusst, dass die Ziele ambitioniert sind. Sie zeigen unser Commitment zu einem Systemwandel und geben uns die Stossrichtung vor. Wir setzen uns lieber ambitionierte Ziele und erreichen nur 80% davon, als dass wir unsere Ambitionen herunterschrauben.», so Simone Alabor, Geschäftsführerin von Fabric Loop. Um die Ziele wie geplant umsetzen zu können, müssten auf politischer Ebene innerhalb der nächsten zwei Jahre die Voraussetzungen geschaffen werden, um die Branchenorganisation in die operative Umsetzung zu bringen.
Zeit für Veränderung ist heute
«Es ist an der Zeit, dass die Branche die Stoffkreislaufschliessung übernehmen kann.», meint Nina Bachmann, Präsidentin von Fabric Loop und Mitglied der Geschäftsleitung von Swiss Textiles. Die Vorteile sind eindeutig: Einerseits hat die Branche somit automatisch den Anreiz, kreislauffähige Produkte in Umlauf zu bringen. Das ist zentral, denn das Design bestimmt schlussendlich, ob eine Kreislaufwirtschaft möglich ist. Gleichzeitig haben die Inverkehrbringer ein Interesse daran, ein transparentes und gut funktionierendes System aufzubauen, da es um ihre eigenen Produkte geht. Zudem stehen mit einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft vermehrt Sekundärressourcen zu marktfähigen Preisen für die Produktion zur Verfügung.
Fussnoten:
[1] https://www.srf.ch/play/tv/kassensturz/video/textilrecycling-statt-kleiderfriedhof?urn=urn:srf:video:7ac1ab57-f329-444c-843a-df5c7a611501
[2] https://www.tagesanzeiger.ch/altkleider-emmen-caritas-chauffeur-sammelt-2-tonnen-taeglich-366760346007 / https://canal9.ch/de/tagesinfo-vom-29-10-2025/
[3] https://www1.wdr.de/nachrichten/altkleidercontainer-verschwinden-in-nrw100.html#commentsBlock / https://www1.wdr.de/fernsehen/markt/sendungen/uebersichtseite-markt-241029-100.html / https://www.hessenschau.de/wirtschaft/branche-in-der-krise-altkleider-sammler-aus-darmstadt-meldet-insolvenz-an-v1,altkleider-112.html / https://www.euwid-recycling.de/news/wirtschaft/texaid-deutschland-leitet-sanierungsverfahren-ein-160625/
[4] Bei der Zielerfüllung werden die Prämissen «Prinzip der Nähe» und «vollständige Transparenz» taktgebend sein. Das Prinzip der Nähe bedeutet, dass der nähere Weg gegenüber der weiter entfernten Destination den Vortritt hat. So wird beispielsweise Reuse in der Schweiz Reuse im Ausland vorgezogen. Die Forderung nach Transparenz kann beispielsweise dazu führen, dass ein Textil in einen transparenten Recyclingweg geht, statt in einen intransparenten Reuse-Kanal.


